Felix Kaiser und Matthias Würl

An einem Sonntag im Februar herrscht Trubel in der Münchner Innenstadt. Es ist Faschingszeit. Viele Menschen sind kostümiert, Familien sind unterwegs, auf dem Marienplatz drängen sich Touristengruppen. Auch ein paar Stockwerke tiefer, im U- und S-Bahngeschoss, eilen die Menschen auf Rolltreppen und in den Gängen aneinander vorbei. Normalbetrieb, vielleicht etwas bunter und heiterer als sonst.

Felix Kaiser (Foto links), ein damals 26-jähriger aus München, Chemiker von Beruf, ist mit seiner Freundin auf dem Weg zur U-Bahn, als er unvermittelt Zeuge eines Zwischenfalls direkt am Bahnsteig wird. Er sieht eine ältere Dame - eine 73-Jährige aus München-Schwabing - mit Faschingshut, die von einem Mann belästigt wird. Der Angreifer beleidigt sie auf wüste Weise mit Worten, die sich nicht wiederholen lassen. Er schlägt ihr den Hut vom Kopf, und plötzlich eskaliert die Situation. Der Mann, allem Anschein nach betrunken oder anderweitig berauscht, tritt der älteren Frau ins Gesäß. Felix Kaiser sieht, dass die Frau von dem Angreifer weiter geschubst wird und den U-Bahngleisen immer näher kommt. Er zögert nicht, rennt los und schützt die 73-Jährige vor weiteren Angriffen.

Inzwischen ist Matthias Würl (Foto rechts) dazugekommen, 29 Jahre alt, Physiker, ebenfalls aus München. Auch er ist mit seiner Freundin unterwegs. Würl greift sofort ein, unterstützt Felix Kaiser - den er bis dahin übrigens nicht kannte. Während sich die Freundinnen der beiden um die ältere Dame kümmern, nehmen die Männer die Verfolgung des Angreifers auf. Kaiser alarmiert per Handy die Polizei und gibt durch, wo sie sich gerade befinden. Als der Flüchtige sich einer Straße am Marienplatz nähert, ist die Polizei mit einem größeren Aufgebot zur Stelle und kann ihn festnehmen.

Die 73-Jährige hat leichte Verletzungen und steht unter Schock. Hätten Felix Kaiser und Matthias Würl nicht eingegriffen, wäre die Frau auf sich allein gestellt gewesen. Dutzende Menschen befanden sich auf dem U-Bahnsteig, allesamt untätige Zuschauer eines dramatischen Vorfalls. Geholfen haben nur zwei: Felix Kaiser und Matthias Würl.

Felix Kaiser (li.) und Matthias Würl (re.)