Michelle Kuhn und Marco Schwarzenberger

Jung, dynamisch und hilfsbereit: Die 18-jährige Michelle Kuhn und ihr 20-jähriger WG-Mitbewohner Marco Schwarzenberger retteten im August 2023 nachts eine Frau vor einem männlichen Täter. Ihr zivilcouragiertes Eingreifen bewahrte das Opfer vor Schlimmeren. Beide wurden dafür ausgezeichnet, sagten aber, es sei eine „Selbstverständlichkeit“.

Dabei war in dieser Sommernacht nichts selbstverständlich oder normal. Spät in der Nacht, nach 23 Uhr, hört Michelle Kuhn plötzlich durch ihr offenes Schlafzimmerfenster Hilferufe von draußen. Sie schaut durch das Fenster hinaus zur Straße und sieht in der Straßenbiegung einen Mann und eine Frau miteinander ringen. Noch einmal vernimmt sie die Hilferufe. Sofort realisiert sie, die Frau ist in Gefahr. Sie informiert ihren Mitbewohner im Nebenzimmer und sprintet, barfuß wie sie ist, mit dem Handy nach draußen auf die Straße. Marco Schwarzenberger folgt ihr: „Mir war sofort klar, hier müssen wir schauen, was los ist und sind einfach nur gelaufen.“

Das Ereignis spielt sich etwa 30 Meter von ihrer Wohnung entfernt in der Innenstadt in Augsburg ab. Als sie dort ankommen, liegt der Täter bereits auf seinem Opfer und hält ihm den Mund zu. Beide schreien den Täter an: „Aufhören!“ Michelle Kuhn nimmt wahr, die Tasche des Opfers liegt einige Meter weiter vorne auf der Straße. Nochmal schreien sie: „Sofort aufhören wir rufen die Polizei!“ Marco Schwarzenberger meint, erst als der Täter ihn, einen Mann mit kräftiger Statur gesehen habe, habe er wohl Angst bekommen. Er lässt von der Frau ab und läuft davon.

Während sich Michelle Kuhn um das Opfer kümmert, verfolgt Marco Schwarzenberger den Täter und wählt gleichzeitig den Notruf. Auch Michelle Kuhn ruft die Polizei, kommt aber nicht durch. Da meldet sich die Polizei über das Handy der 34-jährigen Frau, die angegriffen worden war. Sie hatte ebenfalls den Notruf gewählt. „Sie war so unter Schock, dass sie nicht sprechen konnte. Da habe ich ihr Handy genommen und die Polizei über den Vorfall informiert. Als sie fragten, ob ein Krankenwagen benötigt wird, habe ich gesagt, es wäre besser, ja!“ Drei Notrufe in kurzer Zeit, die Einsatzkräfte handeln sofort. Noch während Schwarzenberger dem Täter nachgeht treffen mehrere Streifenwagen ein. Schwarzenberger bleibt am Telefon, die Polizei ortet ihn und schickt Verstärkung. Als sich einige Straßen weiter der Täter einfach auf eine Bank setzt und eine Zigarette anzündet ist Schwarzenberger entsetzt. Er nähert sich dem Mann und sagt forsch: „Die Polizei ist gleich da!“ Woher er diesen Mut genommen hat, weiß er heute nicht mehr. Wohl aber wie gleichgültig der Mann reagierte. Wenige Minuten später wird der Täter abgeführt. Inzwischen ist er verurteilt.

Dank des schnellen und beherzten Eingreifens der beiden konnte die Frau vor einer Vergewaltigung bewahrt und der Täter festgenommen werden. „Ich hatte keine Angst und habe einfach gehandelt“, erinnert sich Marco Schwarzenberger. Michelle Kuhn weiß, zusammen waren sie stark, betont aber, jeder sollte so handeln: „Niemand sollte wegschauen! Helfen ist für mich eine Selbstverständlichkeit.“